Gelungener Start aus dem Lockdown - Aber nicht für alle Branchen und Landesteile

Mit Spannung wurde er erwartet, der Restart und die damit verbundene Wiedereröffnung der Geschäfte nach dem Lockdown. Acht Wochen lang waren die rund 35'000 Geschäfte geschlossen. Der geschätzte Umsatzverlust: ca. CHF 200 Mio. Umsatz pro Tag!

Es muss davon ausgegangen werden, dass während des Lockdowns dem Schweizer Detailhandel rund CHF 9.6 Mrd. Umsatz entgangen ist (vorwiegend in den Non Food Märkten). 

Das sind über 10% des gesamten Detailhandelsumsatz vom letzten Jahr oder knapp weniger als der gesamte Online Umsatz im Jahr 2019.

 

Massive Umsatzeinbussen für das Jahr 2020 und die Konsumentenstimmung auf Rekordtief

Entsprechend prognostiziert die Credit Suisse in ihrem Bericht vom 27.04.2020 im Non-Food einen Umsatzausfall für dieses Jahr von 20% gegenüber dem Vorjahr. Hinsichtlich der vom SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) vom 05. Mai 2020 publizierten Konsumentenstimmung scheint dies eine realistische Schätzung zu sein. Im April ist die vierteljährlich erhobene Konsumentenstimmung auf ein Rekordtief gesunken. Sie fiel von einem Minus von 9,4 Punkten im Januar auf Minus - 40,0 Punkte im April.

 

Schutz- und Hygienevorschriften statt Erlebnisshopping

Was die vielen Betriebe in den letzten Tagen an Hygiene- und Schutzkonzepten entwickelt und umgesetzt haben, verdient grössten Respekt. Alles wurde daran gesetzt, die Vorgaben des Bundes zu erfüllen, sodass dem Restart nichts mehr im Wege steht. Entsprechend erwartet die Kunden nun anstelle von inspirierender Dekorationen und aufwendiger Wareninszenierungen in den Geschäften und Shopping Malls vorwiegend Absperrbänder, Warnhinweise und  Hygienemittel. Statt dem freundlichen Lächeln der Verkäuferin schaut man in ein Gesicht ohne Mimik, dafür mit Gesichtsmaske. Da stellt sich zu Recht die Frage, ob unter diesen Umständen  überhaupt Lust aufkommt einzukaufen.

 

Kommt es jetzt zur grossen Rabattschlacht?

Die Antwort darauf, ob es in den kommenden Tagen oder Wochen zu einer Rabattschlacht kommen wird oder nicht, ist massgeblich von der Kauflust der Konsumenten abhängig. Die Warenlager in den Geschäften sind durch die wochenlange Schliessung übervoll und die Unternehmen sind dringend auf Umsatz angewiesen. Vor allem für die Mode- und Bekleidungsbranche ist jetzt ein rascher Abverkauf der Saisonware (wenn möglich noch zum regulären Preis) wichtig. Kommt es allzu früh zum Ausverkauf, bedeutet dies nicht nur Umsatz- sondern auch Margenverlust.


Der Restart: Erwartungen übertroffen, aber nicht in allen Landesteilen

Eine Umfrage bei den grössten Shoppingcentern und verschiedenen Retailern bestätigt: Die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht und die Erwartungen mehr als erfüllt. Teilweise wurden in den Centern und den Geschäften sogar höhere Frequenzen und Umsätze gemessen als im Vorjahr. Wie es scheint, geniessen die Kunden die neugewonnene Freiheit wieder einzukaufen und machen auch rege davon Gebrauch. Ein wesentlicher Grund dafür ist das grosse Vertrauen in die Sicherheit und die beispielhafte Umsetzung der Hygiene- und Schutzbestimmungen, aber ganz bestimmt auch ein gewisser Nachholbedarf. Und es zeigt auch, dass die Menschen sich möglichst bald wieder die Normalität zurück wünschen, die sie vor dem Lockdown gehabt haben und dazu gehört nun einmal das „shopping“ einfach dazu. 

Diese positive Entwicklung  dürfte auch die Vermieter der Geschäftsliegenschaften freuen. Schliesslich kommt Miete aus Umsatz und dieser blieb während des Lockdowns vollumfänglich aus, was entsprechend zu Forderungen seitens Mieter nach Mieterlass oder Reduktion führte. Komplett werden die Diskussionen um flexible Umsatz- oder Fixmiete jedoch nicht abgeschlossen sein.

Verhalten scheint die Konsumstimmung momentan noch in den französischen und italienischen Landesteilen zu sein. Hier besteht aufgrund der hohen Ansteckungsraten noch eine gewisse Zurückhaltung.

 

Gastronomie vor massiven Herausforderungen

So positiv sich diese ersten Tage nach dem Lockdown für die Shoppingcenter und Geschäfte entwickelt haben, so dramatisch verlief der Restart für viele Gastronomiebetriebe. Es ist eingetreten, was schon befürchtet wurde*. Unter den vorgegebenen Schutzmassnahmen und der aktuellen Lage ist für viele Gastronomieunternehmen ein wirtschaftlicher Betrieb schlichtweg unmöglich. Die Umsätze der rund 2/3 geöffneten schweizer Betriebe liegen gemäss Brancheninsidern bei bis zu minus 70% des üblichen Umsatzes. Und das bei ca. 80% der Kosten. Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Wenn hier nicht dringend neue Lösungen entwickelt und Kosten (Miete, Personal) gesenkt werden, verlieren etliche Betreiber ihre Existenz. 

* Dazu hier ein Auszug aus der Studie vom 07.05.2020 im Auftrag der SRG-SSR 


Durchhalten und jetzt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen

Jetzt ist es besonders wichtig, möglichst rasch wieder aus dem Krisenmodus heraus zu kommen. Der Lockdown ist vorbei, der Restart scheint für viele gelungen. Nun gilt es positiv nach vorne zu schauen und sich wieder mit der Zukunft zu beschäftigen. Einer erfolgreichen Zukunft, die viele Chancen und Möglichkeiten bietet, welche darauf warten genutzt zu werden. 

Das Team von stoffelzurich ist darauf spezialisiert erfolgreiche Strategien und Konzepte für Shoppingcenter und Retail Destinationen zu entwickeln und seine Kunden bei der entsprechenden Umsetzung zu unterstützen. Unsere Dienstleistungen finden Sie hier

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Dieser Text ist Bestandteil des Swiss Council Marktreport 2020 (kostenlose Bestellung)

© Marcel Stoffel, 15.05.2020